Hockey:Jugendstil mit Bruch

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Der erfolgreiche Hockey-Nachwuchs des Münchner Sportclubs verliert seinen Chefcoach. Christoph Elste, parallel Nationaltrainer der Schweiz, sagt, man habe sich nicht auf einen gemeinsamen Weg einigen können.

Von Katrin Freiburghaus, München

Vier Bayerische-Jugendmeister-Wimpel hängen seit diesem Sommer beim Münchner Sportclub, sogar fünf von sechs Hockey-Nachwuchsteams haben sich für die an diesem Wochenende stattfindenden Zwischenrunden zur deutschen Meisterschaft qualifiziert. Zwei von ihnen - die der A-Knaben und der weiblichen A-Jugend - werden in München stattfinden. Ausrichter ist der MSC, gespielt werden muss allerdings in Pasing, denn es ist gleichzeitig sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen Erstligaspieltag.

Der MSC stößt damit an eine Kapazitätsgrenze, die laut Hockey-Abteilungsleiter Frank Ommert spätestens 2019 Geschichte sein soll: Bis dahin soll es einen zweiten Kunstrasenplatz im Klub geben, die internen Signale bezüglich der Finanzierung seien "positiv", sagt er.

Für die weibliche A-Jugend gibt es aber nicht nur ein Platz-, sondern auch Personalprobleme. Denn gleich sechs Spielerinnen werden dem Jugend-Cheftrainer Christoph Elste im ersten Spiel am Samstag fehlen: Nike Beckhaus fällt wegen eines Kreuzbandrisses aus. Philin Bolle, Janne Wetzel, Verena Neumann, Noemi Baach und Mareike Konsek spielen am Samstag nicht mit der A-Jugend gegen Düsseldorf, sondern gegen den Club an der Alster um Bundesligapunkte (14 Uhr).

"Das wird schwierig, aber am Sonntag sind dann fast alle dabei", sagt Elste ohne Groll. Denn die Tatsache, dass fünf seiner Spielerinnen bei den Erwachsenen bereits dringend benötigt werden, ist der beste Beleg für ein erfolgreiches Jugendkonzept. "Das ist das Ergebnis von fünf Jahren und nicht machbar mit zweimal in der Woche Vereinstraining", sagt er, "damit wird niemand Nationalspieler." Bolle, Beckhaus, Neumann und Konsek stehen in Nachwuchs-Kadern des Deutschen Hockey-Bunds, zusammen mit Milena Redlingshöfer und den beiden U-16-Spielerinnen Yara Mandel und Paulina Niklaus hat der MSC allein bei den Frauen sieben Akteure im DHB-Trikot. Für einen Süd-Klub weitab der Hockey-Hochburgen ist das eine hervorragende Bilanz. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Jugendarbeit lange eine der größten Baustellen des MSC war.

Elste führt die Entwicklung auf zusätzliche Einzeleinheiten und individuell zugeschnittenes Athletiktraining zurück. "Wir sind super zufrieden damit, was in der Jugend passiert ist", sagt auch Ommert, "vor fünf Jahren waren wir froh, wenn mal eine Mannschaft bei der bayerischen Meisterschaft gelandet ist." Elste wird den Verein im April nach der Hallensaison jedoch verlassen. Der MSC wollte seinen auslaufenden Vertrag verlängern und auch der 41-Jährige wäre gerne geblieben. "Aber wir konnten uns auf keinen gemeinsamen sportlichen Weg einigen", sagt Elste, der parallel zur MSC-Jugend die Männer-Nationalmannschaft der Schweiz betreut.

Wohin Elste wechselt und wer seine Aufgaben ab dem Frühjahr übernimmt, ist noch offen. "Es wird auf jeden Fall wieder eine hauptamtliche Stelle werden", betont Ommert, der sich vorstellen kann, "zusätzlich noch jemanden auf Teilzeitbasis hinzuzunehmen". Ein Blick auf die Kaderliste der Bundesliga-Frauen genügt, um die Bemühungen zu verstehen: Zehn Spielerinnen sind jünger als 20. Der Altersumbruch im Team wäre ohne guten eigenen Nachwuchs undenkbar. "Wenn wir den nicht integrieren könnten, würde uns die halbe Mannschaft fehlen", sagt Ommert.

Dass sich in Katharina Kirschbaum seit dieser Saison eines der talentiertesten MSC-Eigengewächse lieber beim Samstagsgegner Club an der Alster integriert, hält Elste für ein grundsätzliches Problem, das kaum zu lösen sei. "Spielerinnen, die langfristig in den A-Kader wollen, werden weiterhin einen Weg wählen, der nicht der MSC ist", sagt er, "wir müssen zusehen, dass wir alle halten, die dahinter kommen - nicht jede U-18-Spielerin spielt später im A-Kader." Ommert hofft zwar, mit einem noch besseren Netzwerk so attraktiv zu werden, dass künftig auch die Besten bleiben, doch er weiß um die Zugkraft der Vereine im Norden und Westen. "Und wenn jemand mal eine andere Stadt erleben will, kommen wir argumentativ einfach an unsere Grenzen", sagt er. Kirschbaum sei jederzeit herzlich willkommen - am Samstag eben erst mal im Trikot des Gegners.

© SZ vom 14.10.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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