Endlagersuche: Wir wissen zu wenig!

Seit über 40 Jahren beschäftigen sich weltweit Experten mit der Endlagerung von hochradioaktivem Müll. In der Schweiz hat nun der 1. Internationale Atommüllkongress stattgefunden – und schliesst mit dem Fazit: Das Problem ist alles andere als gelöst.

Die Gesellschaft steht vor einer Aufgabe, für deren Lösung die Verantwortung gar nicht übernommen werden kann – und trotzdem irgendwie übernommen werden muss. Während die AKW-Betreiber sich im Stande glauben, heute ein sicheres Endlager bauen zu können, hegen unabhängigen Referenten berechtigte Zweifel. Auf dem Kongress fielen Wörter wie Scheinlösungen, Pseudomitwirkung, veraltete Lösungsansätze und zweifelhafte wissenschaftliche Hypothesen. Experten plädieren für reversible Zwischenlösungen, alternative Endlagerkonzepte, für eigentliche Testlager und für echte Mitbestimmung der Gesellschaft.

Für Eckhard Kruse, Endlagerbeauftragter der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, war die zentrale Frage, ob der Mensch die Verantwortung für die sichere Entsorgung von radioaktivem Abfall für 1 Million Jahre überhaupt übernehmen kann. Sie blieb – für ihn und das Publikum – unbeantwortet.

Walter Wildi, ehemaliger Präsident der Kommission für die Sicherheit von Atomanlagen (KSA) der Schweiz, beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit der Endlagerfrage. Für ihn fehlt noch immer eine stringente Gesamtplanung. Viele entscheidende Fragen, die gelöst sein müssten, bevor überhaupt mit der Planung begonnen würde, seien nicht beantwortet. Die Schweiz müsse als erstes die Laufzeit der bestehenden Atomkraftwerke begrenzen und die Nagra, Entsorgungsgesellschaft der AKW-Betreiber und mit der Endlagersuche beauftragt, müsse sich aus der Abhängigkeit der Abfallproduzenten lösen.

Mathias Edler, Atomexperte bei Greenpeace Deutschland, warnt: „Wenn wir beim hochradioaktiven Abfall einen Fehler machen, dann ist er sicher nicht reversibel.“ Die Entscheidung über einen Endlagerstandort müsse über Legislaturperioden hinweg Bestand haben, aber über Generationen hinweg korrigierbar sein. Dabei gelte: „Sicherheit ist der alleinige Massstab für ein Endlager, und Sicherheit ist nicht verhandelbar. Sicherheit kann man nicht mit einem Kompromiss erreichen.“ Seine Untersuchungen zur Standortfindung Gorleben zeigen deutlich, dass es in Deutschland bisher nur um Politik und nicht um seriöse Wissenschaft ging.

Johan Swahn, Direktor der Schwedischen NGO „Office for Nuclear Waste Review“, kritisiert das Vorgehen in seinem Land: Das von den AKW-Betreibern finanzierte Entsorgungsunternehmen SKB arbeite seit 40 Jahren an einer Methode der künstlichen Einschliessung von Atommüll. Wegen massiver Opposition sind nun die Endlager in den Gemeinden geplant, wo es heute bereits AKW gibt. Hier ist die Akzeptanz für ein Endlager am grössten, auch wegen der finanziellen Anreize und der versprochenen Arbeitsplätze. Die Methode ist aber heute sehr umstritten.

httpv://www.youtube.com/watch?v=lWKIWi2nMPA

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Quelle (Auszug): http://www.energiestiftung.ch; 15.03.2014